{"id":449,"date":"2025-01-14T12:52:26","date_gmt":"2025-01-14T12:52:26","guid":{"rendered":"http:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/?p=449"},"modified":"2025-10-08T05:17:06","modified_gmt":"2025-10-08T05:17:06","slug":"stellungnahme-zur-exzellenzstrategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/?p=449","title":{"rendered":"Stellungnahme zur Exzellenzstrategie"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Zu den Antworten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), des Wissenschaftsrates (WR) und der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz<\/strong> <strong>(GWK) auf unsere Fragen zur Exzellenzstrategie, Januar 2025)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anl\u00e4sslich der aktuellen Runde der Exzellenzstrategie (ExStra) haben wir im September 2024 einen ausf\u00fchrlichen Katalog mit kritischen Fragen zu diesem Programm an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), den Wissenschaftsrat (WR) sowie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bundesministerium und Landesministerien gesendet. Im Oktober haben wir von allen drei Institutionen Antworten erhalten. Unsere <a href=\"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/?p=287\">Fragen und die Antworten <\/a>darauf sind auf unserer Website verf\u00fcgbar, ebenso wie eine kurze <a href=\"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/?p=384\">Reaktion des Netzwerks<\/a>, die am 20.11.2024 in der&nbsp;<em>FAZ<\/em>&nbsp;erschien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir bedanken uns f\u00fcr die ausf\u00fchrlichen Antworten, besonders f\u00fcr einige Detailausk\u00fcnfte, die sich nicht den Webseiten und Infobl\u00e4ttern der ExStra entnehmen lassen. Allerdings bleiben auch eine ganze Reihe wichtiger Fragen offen. Nicht wenige der eingegangenen Antworten stehen zudem in Widerspruch zu den Erfahrungen von Wissenschaftler*innen, die das Programm als Antragstellende, Begutachtende oder aus der Verwaltungsperspektive (z.B. Dekanat, Universit\u00e4tsleitung) selbst kennen und uns davon berichtet haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese L\u00fccken und Diskrepanzen verweisen aus unserer Sicht auf einige wesentliche Schwachstellen der ExStra, derer sich die ausf\u00fchrenden Institutionen selbst aber offenbar nicht bewusst sind. Deshalb wollen wir sie im Folgenden exemplarisch benennen. Die Informationen und Beispiele, die wir heranziehen, stammen von unseren Mitgliedern und wurden von uns aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden anonymisiert. Unsere stichprobenhafte Erhebung ist nicht repr\u00e4sentativ, aber sie macht deutlich, dass eine baldige, unabh\u00e4ngige Evaluation des Projekts unverzichtbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kosten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf unsere Frage hin, wie sie die Kosten der ExStra-Antr\u00e4ge f\u00fcr Universit\u00e4ten einsch\u00e4tzen, schreiben DFG und WR: \u201eErhebungen zu m\u00f6glichen weiteren Kosten, die an Hochschulen im Rahmen einer Antragstellung entstehen k\u00f6nnten, werden durch DFG und WR nicht vorgenommen.\u201c Dies hat uns angesichts des offenkundig sehr erheblichen Aufwandes bei der Ausarbeitung der Antr\u00e4ge, in der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung von Pr\u00e4senzbegutachtungen, f\u00fcr die Einrichtung beratender oder koordinierender Stellen, die Bereitstellung von F\u00f6rdermitteln f\u00fcr die Antragstellung, interne Evaluationsverfahren, strategische Berufungen u.\u00e4. dann doch erstaunt. Denn solche Kostensch\u00e4tzungen liegen bei den antragstellenden Universit\u00e4ten ja wahrscheinlich l\u00e4ngst vor. Es gibt kommerzielle Coaches und Coaching-Agenturen, die interessierten Einzelnen oder Forschungsgruppen von der Antragstellung bis zur Begehung engmaschige Begleitung anbieten \u2013&nbsp;beispielsweise das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.hochschulverband.de\/probe\/leistungen-und-kosten\">ProBE-Coaching des DHV<\/a>. Hier m\u00fcssen Vertr\u00e4ge geschlossen worden sein, die auch einsehbar sein sollten. Einzelne Bundesl\u00e4nder haben seit Beginn der Exzellenzinitiative sogar F\u00f6rderprogramme im Umfang von vielen Millionen Euro aufgelegt, um die Chancen ihrer Universit\u00e4ten in der jeweils n\u00e4chsten Runde zu verbessern. Hier gibt es also durchaus Daten, die nur gesammelt werden m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Nachfrage unsererseits bei einschl\u00e4gig erfahrenen Personen ergab zumindest erste Anhaltspunkte \u2013 zum Beispiel die Sch\u00e4tzung einer Person mit langj\u00e4hriger Erfahrung in der universit\u00e4ren Drittmittelverwaltung, dass eine erfolgreiche Exzellenzbewerbung ungef\u00e4hr ihre eigenen Kosten wieder einspiele. Wenn dies stimmen sollte, best\u00fcnde der Benefit einer erfolgreichen Bewerbung vorrangig im Prestigegewinn \u2013 welcher aber dann wieder mit den handfesten finanziellen Aufw\u00e4nden der im Wettbewerb unterlegenen Unis bezahlt w\u00fcrde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies sind selbstverst\u00e4ndlich nicht die Ergebnisse einer repr\u00e4sentativen Erhebung. Ein Grund zur Sorge, und zumindest ein Anlass f\u00fcr gr\u00fcndliches Nachforschen, sind solche Ausk\u00fcnfte unserer Ansicht nach aber schon. Verantwortliches, nachhaltiges Forschungsmanagement w\u00fcrde zwingend erfordern, dass solche Folgekosten reflektiert werden. Eine unabh\u00e4ngige \u00dcberschlagsrechnung sollten z.B. Landesrechnungsh\u00f6fe relativ zeitnah vorlegen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Motivation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele unserer Mitglieder und Gespr\u00e4chspartner*innen reagierten irritiert auf die Auskunft zur angeblichen Motivationslage der Antragstellenden. Die Versicherung, \u201edass die an Exzellenzclustern und Exzellenzuniversit\u00e4ten Beteiligten sehr enthusiastisch und engagiert sind\u201c und dass umgekehrt nicht intrinsisch motivierte Antr\u00e4ge \u201evon den international anerkannten Expert*innen, die die Begutachtungen \u00fcbernehmen, schnell als solche erkannt werden\u201d w\u00fcrden (DFG\/WR), stie\u00df auf deutliche Kritik. Es ist sicher richtig, dass \u201edie Antragstellung und deren Vorbereitung ein hohes pers\u00f6nliches Engagement und enormen zeitlichen Einsatz\u201c erfordern. Es ist jedoch nicht mehr als eine Behauptung, dass diesen Aufwand \u201eletztlich nur wirklich \u00fcberzeugte Antragstellende auf sich nehmen\u201c. Uns gegen\u00fcber war zum Beispiel explizit von&nbsp;\u201eextremem Druck\u201d&nbsp;die Rede, den Hochschulleitungen auf Gruppen von Professor*innen aus\u00fcben, um sie zur Antragstellung zu bewegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berichtet wurde auch, dass Unileitungen die Beteiligung an der ExStra mit Verweis auf die angeblich drohende Existenzgef\u00e4hrdung der Institution einforderten. Andere erz\u00e4hlten, dass die Auswahl eines Themas erst&nbsp;<em>nach&nbsp;<\/em>der Entscheidung f\u00fcr die Beteiligung an der ExStra erfolgte \u2013 der Gegenstand der Forschung also offenkundig sekund\u00e4r war. Bedauert wurde, dass sich in der aktuellen Runde der Antragstellung \u201eschon wieder alles andere [der ExStra] unterordnen\u201d m\u00fcsse. In zwei F\u00e4llen \u00e4u\u00dferten Kolleg*innen uns gegen\u00fcber die Hoffnung, die eigene Uni m\u00f6ge mit ihrer Bewerbung&nbsp;<em>nicht&nbsp;<\/em>erfolgreich sein, um z.B. die Entstehung noch gr\u00f6\u00dferer Spaltungen und Verwerfungen (die Exzellenzcluster gegen alle anderen) in ihrer Institution zu vermeiden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derart fundamentale Zweifel der Antragstellenden an der Sinnhaftigkeit der ExStra oder an der Bedeutung der eigenen Bewerbung k\u00f6nnen den Gutachtenden oder den Veranstaltenden gegen\u00fcber nat\u00fcrlich unm\u00f6glich sichtbar gemacht werden. Schon in der Diskussion zur Verstetigung der ExStra 2016 wurde darauf hingewiesen,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/forschung-und-lehre\/wissenschaftler-gegen-exzellenzinitiative-14249500.html\">dass sich privat skeptische Akteure mit allgemeiner \u00f6ffentlicher Kritik wohl zur\u00fcckhalten d\u00fcrften<\/a>. Einige Kolleg*innen, die sich im Gespr\u00e4ch oder in E-Mails zun\u00e4chst exzellenz-kritisch ge\u00e4u\u00dfert hatten, verstummten oder brachen den Kontakt ab, als einer von uns sie damals f\u00fcr die Unterst\u00fctzung einer \u00f6ffentlichen Stellungnahme anfragte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vertraulicheren Settings benennen direkt Beteiligte aber offen ihre Vorbehalte. Ein Begehungstermin aus der letzten Runde der ExStra (2019) wurde uns z.B. von einem direkt Beteiligten mit den Worten \u201ealles nur Fassade\u201d beschrieben.&nbsp;Die so beschriebene Bewerbung f\u00fchrte schlie\u00dflich zum begehrten Titel einer Exzellenzuniversit\u00e4t.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.hochschulverband.de\/probe\/leistungen-und-kosten\">Begehungs-Coaching des DHV<\/a>&nbsp;umfasst nicht von ungef\u00e4hr das Training von \u201eGestik, Mimik und \u2026 gesprochene[m] Wort,\u201d um noch bestehende Unsicherheiten in der Performance m\u00f6glichst auszur\u00e4umen. An manchen Standorten f\u00fchrt dieses dramaturgische Finetuning offenbar zu nachgerade \u00fcbergriffigen Vorgaben in Bezug auf Details des Dresscodes oder der pers\u00f6nlichen Erscheinung, die mit den wissenschaftlichen Gegenst\u00e4nden rein gar nichts mehr zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieselbe Kerbe schl\u00e4gt die Aussage, dass insbesondere den derzeit laufenden \u201ePitches\u201c (d.h. m\u00fcndlichen Pr\u00e4sentationen) der Exzellenzcluster eine besonders wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung der Gutachtenden nachgesagt wird.&nbsp;Kann dieses Format \u00fcberhaupt so gestaltet werden, dass es eine weiterf\u00fchrende inhaltliche Auseinandersetzung erlaubt und nicht blo\u00df die verk\u00e4uferischen Talente der Antragstellenden zur Geltung bringt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wissenschaftliches Fehlverhalten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unserer Anfrage erkundigten wir uns auch nach speziellen Ma\u00dfnahmen, dem Einfluss von Seilschaften, Loyalit\u00e4ten, wechselseitigen Gef\u00e4lligkeiten, ggf. auch Korruption und Betrug im Auswahlverfahren der ExStra vorzubeugen. WR und DFG verwiesen hierzu auf das Meldesystem der DFG, \u00fcber das Hinweise auf Compliance-F\u00e4lle abgegeben werden k\u00f6nnen. Solche Meldungen seien bisher jedoch kaum eingegangen bzw. h\u00e4tten \u201esich i. d. R. nach ausf\u00fchrlicher Untersuchung als gegenstandslos erwiesen\u201d.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wissenschaftliches Fehlverhalten (in unterschiedlichen Schweregraden) liegt u.a. vor, wenn die eigene Karriere durch Manipulationen von Publikationslisten vorangebracht werden soll. Angesichts einer minimalen Entdeckungswahrscheinlichkeit ergibt dies leider auch Sinn. Wir wissen zudem, dass das meiste Fehlverhalten, von dem andere wissen, niemals irgendwo angezeigt wird, was ebenso verstehbar ist: Zu den immer wieder genannten Gr\u00fcnden f\u00fcr das Schweigen geh\u00f6rt vor allem die Angst vor Vergeltungsma\u00dfnahmen seitens der Angeschuldigten sowie die Bef\u00fcrchtung, die Reputation der eigenen Institution (und damit auch viele Unbeteiligte) zu besch\u00e4digen. Der Hinweis auf wissenschaftliches Fehlverhalten kann schlie\u00dflich die eigene Karriere, die Kolleg*innen und den Ruf der eigenen Uni in Gefahr bringen. Der Anreiz, eine Fassade der professionellen Korrektheit zu pflegen, ist demgegen\u00fcber deutlich h\u00f6her, und oft ist dies auch praktisch leichter als der Nachweis von Fehlverhalten. Aus der Seltenheit von Anzeigen auf das Nichtvorliegen von Fehlverhalten zu schlie\u00dfen, ist daher weder intellektuell redlich noch empirisch haltbar.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf diese Problematik zielte auch unsere Frage zur Rolle von \u201eOpen Science\u201d im Rahmen der ExStra ab. Diese erweiterten M\u00f6glichkeiten, Transparenz herzustellen, werden in der aktuellen Phase erstaunlicherweise nicht sichtbar genutzt. Es wirkt, als habe die Diskussion um eine selbstverschuldete Glaubw\u00fcrdigkeitskrise der Wissenschaft, die seit 2010 gef\u00fchrt wird und aktuell omnipr\u00e4sent ist, die ausrichtenden Institutionen noch nicht erreicht. Allenfalls schm\u00fcckt sie einzelne Antr\u00e4ge. Wir halten es aber f\u00fcr eine Bringschuld \u00f6ffentlich finanzierter Forschung, die Glaubw\u00fcrdigkeit ihres Arbeitens nachzuweisen. Diese Verantwortung nach dem Motto \u201ewo kein Kl\u00e4ger, da kein Richter\u201d an eine abstrakte dritte Partei (etwa: wissenschaftliche Zeitschriften) zu delegieren ist unserer Ansicht nach nicht akzeptabel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zeiten des blinden Vertrauens sollten in Anbetracht einer wahren Flut<em>&nbsp;<\/em>von Berichten \u00fcber unethisches Agieren in der Wissenschaft vorbei sein. Wir wissen von zumindest einem Fall, in dem ein Kollege, der in der Vergangenheit mehrfach durch betr\u00fcgerisches Forschungsverhalten auffiel, in einem der jetzt pr\u00e4sentierten Exzellenzcluster als Principal Investigator in Erscheinung tritt. Der h-Index macht es offenbar m\u00f6glich (und vielleicht auch notwendig).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Begutachtung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir hatten in unserer Anfrage von der \u201eAnonymit\u00e4t der Gutachten\u201c gesprochen und &#8211; etwas missverst\u00e4ndlich \u2013 gefragt, ob eine \u201eOffenlegung der Gutachten vorgesehen\u201c ist. Die Antwort verweist zurecht darauf, dass in der \u201ePr\u00e4senzbegutachtung [\u2026] die Gutachtenden und die Antragstellenden in den Austausch\u201c treten und dass die \u201eHinweise der Gutachtenden [\u2026] den Antragstellenden in beiden F\u00f6rderlinien mitgeteilt\u201c werden. Unsere Frage zielte aber eigentlich darauf, ob (nach der Entscheidung) eine&nbsp;<em>zentrale Ver\u00f6ffentlichung<\/em>&nbsp;aller Gutachten mit Namen der Gutachtenden vorgesehen ist, die einen systematischen Vergleich und eine Meta-Beurteilung erm\u00f6glichen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Forderungen nach Open Peer Review werden immer lauter, vor allem weil inzwischen weithin bekannt ist, wie&nbsp;<em>wenig&nbsp;<\/em>klassische, nicht-offene Peer Review-Verfahren geeignet sind, eine ausreichende Qualit\u00e4tskontrolle zu gew\u00e4hrleisten. Begutachtungsprozesse hinter verschlossenen T\u00fcren schaffen Raum f\u00fcr allerlei politische Man\u00f6ver jenseits der rein inhaltlichen Bewertung.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Open Peer Review macht es demgegen\u00fcber m\u00f6glich, dass Dritte sich zum Aspekt der Qualit\u00e4tssicherung eine eigene Meinung bilden. (Wie sorgf\u00e4ltig wurde hier gearbeitet? Wie nachvollziehbar ist die Argumentation? Wer hat hier wem durch ein Gutachten zu einer F\u00f6rderung in Millionenh\u00f6he verholfen?) Transparenz und Kritisierbarkeit sind wissenschaftliche Grundprinzipien. Gilt dies auch im Rahmen der ExStra f\u00fcr das entscheidende Instrument der Ressourcenallokation?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lehre<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DFG und WR erw\u00e4hnen in ihrer Antwort, dass in der F\u00f6rderlinie \u201eExzellenzuniversit\u00e4ten\u201d Konzeptionen zu Lehre durch \u201eeigens daf\u00fcr rekrutierte Gutachter*innen\u201c gew\u00fcrdigt werden sollen. Der Hauptimpuls scheint uns jedoch ein anderer zu sein. Wir wissen, dass schon im universit\u00e4ren Regelbetrieb die Qualit\u00e4t der Lehre und das Engagement der Lehrenden bei der Bewertung von Leistung und Output bestenfalls eine nachgeordnete Rolle spielen. Durch den Wettbewerbsdruck der ExStra wird diese Dynamik befeuert. Die bisherige Praxis, Forschende in den Exzellenzclustern von der Lehre so weit wie m\u00f6glich freizustellen, hat dazu gef\u00fchrt, dass Studierende an Exzellenzuniversit\u00e4ten mit den herausragenden Forscher*innen ihres Fachs kaum noch in Kontakt kommen und stattdessen von befristet besch\u00e4ftigten Vertretungsprofessor*innen unterrichtet werden, die sich ein l\u00e4ngerfristiges Engagement nicht leisten k\u00f6nnen, weil sie oft nur semesterweise angestellt werden. Diese \u2018zweite Schiene\u2019 der Vertretungen, die durch die Republik tingeln, h\u00e4lt den Betrieb an den Exzellenzuniversit\u00e4ten aufrecht, ohne selbst nennenswert von den Exzellenzstrukturen zu profitieren. In den Antworten auf unsere Frage gibt es keinen Hinweis darauf, dass hier im Rahmen der ExStra systematisch Abhilfe geschaffen werden soll; m\u00f6gliche Gegenma\u00dfnahmen bleiben den \u201eeinzelnen Standorten\u201d \u00fcberlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Personalstrukturen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die wenigen bisher genannten Punkte hinaus enth\u00e4lt das sechsseitige Antwortschreiben von DFG und WR leider nur andeutungsweise neue Ausk\u00fcnfte. Das ist besonders dort schade, wo zum Beispiel von \u201ePersonalstrukturkonzepten\u201c, neuen Dauerstellen oder Departmentstrukturen berichtet wird, ohne dass dies durch Zahlen oder konkrete Beispiele untermauert werden w\u00fcrde. Wir kennen aus der eigenen Erfahrung und aus R\u00fcckmeldungen von Kolleg*innen viele konkrete F\u00e4lle, in denen Bem\u00fchungen um Exzellenzmittel gerade&nbsp;<em>nicht<\/em>&nbsp;zu nachhaltigen Personalstrukturen f\u00fchrten. Ein Beispiel ist die befristete Besetzung einer Professur ohne Tenure Track im Themenfeld eines geplanten Clusters mit einer daf\u00fcr besonders qualifizierten Person, die die Nichtbewilligung des Clusters mit dem Verlust ihrer beruflichen Existenz teuer bezahlte. Wir haben den Eindruck, dass solche Verl\u00e4ufe im aktuellen Prozedere schlicht eingepreist sind. Wenig \u00fcberraschender Weise werden sie meist verschwiegen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Thema Stellenbesetzung hat uns zudem noch die folgende Aussage \u00fcber ein Exzellenzcluster erreicht, die wir hier gern unkommentiert wiedergeben m\u00f6chten: \u201eDie AIs [Associate Investigators] sind im Prinzip die Frauen [und] Freundinnen m\u00e4nnlicher PIs. Das wird dann als Dual Career und Diversity verkauft\u201d.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt entsteht bei uns der Eindruck, dass eine relativ gro\u00dfe Zahl sehr relevanter Fragen zur ExStra offen bleibt. Wenigstens in Teilen scheint es sich um ein vorrangig glaubensgest\u00fctztes Projekt zu handeln:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beteiligten sollen glauben, dass der k\u00fcnstlich erzeugte Wettbewerb zwischen den einzelnen Standorten die wissenschaftliche Qualit\u00e4t steigert, anstatt sie (was bei weitgehender Abwesenheit echter Qualit\u00e4tskontrolle mindestens ebenso plausibel ist) zu senken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wissenschaftliche und die allgemeine \u00d6ffentlichkeit sollen glauben, dass die Antragstellenden ehrlich sind und die Gutachtenden gr\u00fcndlich und unparteiisch arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die antragstellenden Wissenschaftler*innen sollen glauben, dass die Antr\u00e4ge genuinen Erkenntnisinteressen dienen und nicht prim\u00e4r der Ausfinanzierung der eigenen Institutionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine wiederkehrende Frage in unseren internen Beratungen zum Thema war die, ob die uns Antwort gebenden Institutionen all das eigentlich selbst glauben. Ob die Antwort darauf nun \u201eja\u201c oder \u201enein\u201c lautet \u2013 solchem Glaubenseifer klar entgegen st\u00fcnden die hier eingeflossenen zahlreichen kritischen Erfahrungsberichte sowie in manchen F\u00e4llen auch einfach der gesunde Menschenverstand.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wissen, dass schon im universit\u00e4ren Regelbetrieb regelm\u00e4\u00dfig die wissenschaftliche Redlichkeit oder das Lehrengagement geopfert werden, um fragw\u00fcrdige Indikatoren wissenschaftlicher Exzellenz nach oben zu treiben. Wir alle wissen, wie leicht dies ist, und wie sehr es durch Druck und Wettbewerb befeuert wird. Wer soll ernsthaft glauben, dass dies unter den Bedingungen der ExStra auf einmal ganz anders ist?&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir halten es f\u00fcr geboten, unsere Bedenken zur ExStra jetzt auf den Tisch zu bringen. Schlie\u00dflich soll damit ja eigentlich die Wissenschaft als solche gef\u00f6rdert werden. Daf\u00fcr werden hunderte Millionen Euro \u00f6ffentliches Geld aufgewendet. Ein strukturbildendes Element von dieser Reichweite so lange ohne ein ausreichend kritisches Monitoring von unabh\u00e4ngiger \u2013 und wissenschaftlich qualifizierter \u2013 Seite zu belassen, erscheint uns verantwortungslos.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir bef\u00fcrchten zudem, dass sich im Laufe der Antragsrunden eine gewisse Begeisterungspflicht nicht nur \u2013 wie oben beschrieben \u2013 f\u00fcr die Antragstellenden, sondern ebenso f\u00fcr die ausrichtenden Institutionen entwickelt hat: Je l\u00e4nger und je enthusiastischer man das eigene Projekt vor aller Augen offensiv weiter verfolgt, desto schwerer wird, auch nur offen dar\u00fcber nachzudenken, ob es sich vielleicht um einen Irrweg handeln k\u00f6nnte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/NNW_ExStra_Stellungnahme_25-01.pdf\">Text als pdf zum Download<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Zu den Antworten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), des Wissenschaftsrates (WR) und der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) auf unsere Fragen zur Exzellenzstrategie, Januar 2025) Anl\u00e4sslich der aktuellen Runde der Exzellenzstrategie (ExStra) haben wir im September 2024 einen ausf\u00fchrlichen Katalog mit kritischen Fragen zu diesem Programm an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), den Wissenschaftsrat (WR) sowie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,6],"tags":[],"class_list":["post-449","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-neuigkeiten","category-stellungnahmen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/449","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=449"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/449\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":474,"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/449\/revisions\/474"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=449"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=449"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=449"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}